Was genau ist Moor

In der Geologie gilt eine mindestens 30 cm starke Schicht oder Schichtfolge von Torfen als Moor. Man unterscheidet nach ihrer Lagerstätte Hochmoore und Nieder- oder Flachmoore.


Die Flachmoor-Torfe, wie das Neydhartinger Moor, entstehen durch Stapelung von Pflanzenresten, die nicht vollständig verrotten, da die Bodenlebewesen unter den herrschenden sehr nassen Bedingungen und unter Luftmangel in ihrer Vitalität gehemmt sind

Das Heilmoor Neydharting

Mitten in Österreich, im Alpenvorland des weltbekannten Salzkammergutes, liegt das Heilmoorvorkommen von Neydharting. In dieser herrlichen, voralpinen Moränenlandschaft verlandeten im Verlauf von mehreren Jahrtausenden kleinere eiszeitliche Gletscherseen zu Flachmooren.

Die Verlandung entstand durch intensives Pflanzenwachstum. Der Reichtum an Pflanzennährstoffen der aus den Hängen des Tales eindringenden Gewässer war der Grund für diese üppige Vegetation. Zur üppigen Vegetation kam noch die für diese Gegend spezifische Vielfalt an Pflanzenarten, die an der Entstehung des Moors beteiligt waren.

Die immer wieder nachwachsende Biomasse, die am Grundwasserspiegel wucherte, versank in ihrem Vegetationszyklus immer wieder im Wasser und hat – nach einem biologischen Umwandlungsprozess der Humifizierung – die Basis für die Bildung der organischen Masse mit einer großen Vielfalt an Moorinhaltsstoffen (Moor-Bouquet) geschaffen.

Heute sind die Mulden der eiszeitlichen Gletscherseen mit Heilmoor gefüllt. Der Wimbach, der das Tal durchfließt, zeigt den Wasserspiegel der heute mit Heilmoor gefüllten eiszeitlichen Mulden an.

Moor ist nicht gleich Moor

Moor wird erst durch zwingend vorgeschriebene Untersuchungen zum Heilmoor und zum staatlich anerkannten Heilvorkommen mit anerkannten Heilanzeigen. In der großen Heilvorkommenanalyse wird u. a. das Moor (auch Peloid genannt) nach seinem • Humifizierungsgrad • Gehalt an organischen und anorganischen Bestandteilen • Gehalt an Huminsäuren • pH-Wert • Wärmehaltevermögen und Quellungszahl beurteilt. Vom Anfang der klassischen Moortherapie vor etwa 200 Jahren bis Mitte des vorigen Jahrhunderts standen die positiven thermophysikalischen Heilwirkungen der Dickbreibäder und Moorpackungen im Vordergrund, unabhängig von der individuellen Herkunft als Hochmoor oder Niedermoor. Die Begründung liegt darin, dass die thermophysikalischen Eigenschaften von Moor gut zu untersuchen sind und jede Moorart, die den Anforderungen des Heilvorkommen- und Kurortegesetzes entspricht, vergleichbare thermophysikalische Eigenschaften besitzt. Der thermophysikalische Effekt z.B. der Moorpackungen beruht insbesondere auf der besonders hohen Wärmehaltungskapazität und der schlechten Wärmeleitfähigkeit. Beide Eigenschaften ermöglichen einerseits hohe Temperaturen bei Beginn der Anwendung, gestatten aber andererseits eine lang anhaltende Temperaturkonstanz des Mediums. Dadurch kann eine schonende Überwärmung des Körpers und eine bessere Durchblutung der vom Moor bedeckten Körperteile erzielt werden. Bei der Anwendung von sogenannten Schwebstoffbädern treten die thermophysikalischen Effekte in den Hintergrund. Es kommen pharmakologische Wirkungen zum Tragen. Sie beruhen auf der Fähigkeit der im Wasser löslichen Moorbestandteile (Moorextrakt, Moorbouquet) in Bezug auf das Durchdringungsvermögen der Haut. Wie wissenschaftliche Untersuchungen in den 90er Jahren zeigten, treten eklatante Unterschiede zwischen den einzelnen Heilmoorvorkommen auf. Diese neuen Forschungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass die pharmakologische Wirkung von der Zusammensetzung des pflanzlichen Materials und den geologischen Rahmenbedingungen, unter denen das Moor entstanden ist, abhängt.
Parameter HochmoortorfeFlachmoortorfe (z.B.
Neydharting)
Entstehung Aus variationsarmen
Pflanzengesellschaften, oberhalb des Wasserspiegels gebildet
Aus variationsreichen
Pflanzengesellschaften am
Grundwasserspiegel gebildet.
Unerwünschte
Beimengungen
WollgrasfasernWurzeln und Holzreste, Sand,
Ton
Torfinhaltsstoffe wenige in höheren
Konzentrationen
viele in niederen Konzentrationen
(Moor-Bouquet)
Humifizierungsgrad H6 – 8H8 – 10
pH-Wert 3,0 – 5,0 (stark sauer)4,0 – 7,5 (schwach sauer)
Stickstoff 1,2 % der org. Trockenmasse3,3 % der org. Trockenmasse
Schwefel 0,25 % der org. Trockenmasse0,5 – 5% der org. Trockenmasse
Huminsäuren 24,9 % der org. Trockenmasse34,0 % der org. Trockenmasse
Huminstoffe 30,5 % der org. Trockenmasse36,3 % der org. Trockenmasse
Mineralstoffe und essentielle
Spurenelemente
1 – 2 % der Trockenmasse5 – 15 % der Trockenmasse
Wassergehalt bei Normalkonsistenz92 – 96 %83 –93 %

Das Heilmoor von Neydharting ist ein Flachmoor

Dass das Heilmoor biologisch aktive Inhaltsstoffe enthält, die die menschliche Haut durchdringen können, hat der Entwickler des Heilmoor-Schwebstoffbades Prof. Otto Stöber (gest. 1990) bereits in den 40er Jahren erkannt. Bestärkt wurden seine Ansichten durch den damals auf diesem Gebiet international anerkannten Moorwissenschaftler Dr. W. Benade aus Karlsbad.

Um die Wirkungen der äußerlichen und innerlichen Anwendung des Neydhartinger Heilmoors an Mensch und Tier wissenschaftlich abzusichern, gründete Prof. Otto Stöber das Österreichische Moorforschungsinstitut in Neydharting. Ihm gelang es auch, die internationalen Größen der Moorforschung in Form von regelmäßigen Treffen zu Rundgesprächen nach Neydharting zu bringen. Er verstand es, Wissenschaftler für seine Idee zu gewinnen und die Forschung in dieser Richtung voran zu treiben.
Viele der Vermutungen von Prof. Stöber bezüglich der Wirkmechanismen konnten zwischenzeitlich durch wissenschaftliche Arbeiten bestätigt werden.

Das Neydhartinger Moor ist nicht nur von seiner Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung einzigartig, sondern auch was seine wissenschaftliche Untersuchung betrifft.

Geschichte und Mythen rund ums Neydhartinger Heilmoor

Das Moorvorkommen von Neydharting ist eines der bestuntersuchtesten Naturheilvorkommen der Welt.
Haben Sie gewusst…

… dass römische Villen nicht nur in Rom erbaut wurden?

Eine Ausgrabung einer römischen Villa (erbaut um 250 n. Chr.) zeigt, dass selbst das römische Reich das Gebiet Neydharting zu schätzen wusste; Ob es das Moor war, das sie zum Bleiben bewegte?

… dass ein finsterer Raubritter in der Veste sein Unwesen trieb?
Nach den Magyareneinfällen um 900 wurde als Basislager sozusagen die Veste Neydharting — ein Wasserschloss. Angeblich ist es von Raubrittern besiedelt gewesen. Den ersten urkundlichen Nachweis über die Existenz von Neydharting liefert die Kaufurkunde des Schloßherrn “Chunrad de Nytterdinge” um 1100.

… dass Ordensleute als erste in das heilende braune Wasser stiegen?
Im Mittelalter wurde die heilende Wirkung des Neydhartinger Moores bekannt. Es gibt eine “moswisen, moorbach … von einer wisn bey dem prunn und der padstuben …” schreibt Abt Thomas von Lambach 1364. Dies ist das erste schriftliche Zeugnis über die Existenz eines Bades in Neydharting.
Der Fund einer mittelalterlichen Badewanne gilt als der älteste Fund einer Moor-Badeeinrichtung überhaupt (s. Abb.).

… dass Paracelsus eine strapaziöse Reise nach Neydharting auf sich nahm, um sich von der Wirkung des Moores persönlich zu überzeugen?
Der Naturforscher, Arzt und Theologe Theophrastus, Bombastus von Hohenheim, genannt PARACELSUS war in Neydharting und berichtet um zirka 1500, dass er die “Quinta Essentia” in einem “gemös” der “Veste Neydhärding” gefunden hätte.

… dass Neydharting der frühneuzeitliche Wellnesstreffpunkt war?
Es ist überliefert, dass um 1600 viele “bresthafte” zum “Jungbrunnen” Neydharting pilgerten und mit “wundersamer Kraft” erfüllt wurden. Der Astronom Johannes Kepler war 1621 Gast am Schloss, wo er an seinem berühmten Werk “Harmonices Mundii” weiter arbeitet

… dass Neydharting Treffpunkt der Sommerfrischler war?
Neydharting ist in der K.u.K. Monarchie relativ berühmt und wird von vielen Mitgliedern des Hofes als Sommerfrische in Anspruch genommen. Nach der Blütezeit des Kurortes Neydharting zu Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt nach dem 1. Weltkrieg der Abstieg und der Verfall der Kuranlagen.

Zur jüngeren Geschichte

Otto Stöber kauft 1940 Moorvorkommen und Gebäude und eröffnet 1949 das “neue” Neydharting; in den Folgejahren wird das Österreichische Moorforschungs-Institut gegründet.

1952 wird auf Initiative Otto Stöbers der erste internationale Moor-Kongress in Neydharting abgehalten.
Das Wissen um die heilende Kraft des Moores wird breiten Kreisen der Bevölkerung erst wiederum Ende der 60er Jahre bewusst.

Unter Prof. Stöber gelingt es in Österreich auch, die Verschreibbarkeit von Heilmoorprodukten bei den Sozialversicherungen durchzusetzen. Nach wie vor ist das Heilmoor Schwebstoffbad aus Neydharting in Österreich frei verschreibbar.

Unter der Schirmherrschaft der International Peat Society (IPS) Sektion VI fanden regelmäßig die “Neydhartinger Rundgespräche” mit namhaften Moor-Wissenschaftlern aus aller Welt in Neydharting statt.
Weit über den Tod von Prof. Stöber 1990 hinaus, gelang und gelingt es sein Charisma und seinen Glauben an die Wirkung dieses einzigartigen Niedermoores weiterzutragen.
Die Heilmoorbad Neydharting GmbH befindet sich im Privatbesitz.

Aufgrund der positiven Erfahrungen und der stetig ansteigenden Nachfrage nach alternativen Therapie- und Wellness-Methoden steigt die Nachfrage nach den Neydhartinger Produkten. Die Herstellungsanlagen werden zur Gänze erneuert und vergrößert, und die Moorprodukte werden in alle Welt exportiert.

Die Mehrzahl der österreichischen Therapie- und Kur-Zentren verwendet seit Jahrzehnten die Neydhartinger Heilmoor-Produkte.